Worin unterscheiden sich MIH-Zähne von gesunden Zähnen?
Normalerweise ist Zahnschmelz die härteste Substanz im menschlichen Körper. Bei MIH-Zähnen wurden während der Schmelzbildung in den ersten Jahren nach der Geburt Eiweißbestandteile aus der Zahnsubstanz nur unzureichend in Mineralien umgewandelt.
Dadurch ist der Schmelz von MIH-Zähnen häufig mechanisch weniger stabil, poröser und hat nicht die guten isolierenden Eigenschaften von gesundem Zahnschmelz.
Dies äußert sich bei betroffenen Kindern in Kälteempfindlichkeit beim Essen und Putzen, deutlich erhöhtem Kariesrisiko und häufig schon kurz nach dem Zahndurchbruch durch Abplatzen des weichen, instabilen Zahnschmelzes.
Daran wird seit vielen Jahren geforscht. Es kristallisiert sich langsam heraus, daß es wohl nicht DIE eine Ursache für MIH gibt, sondern das verschiedene Faktoren eine Rolle spielen könnten.
Es zeigen sich gewisse Zusammenhänge unter anderem mit Frühgeburten, Kaiserschnitten, Sauerstoffmangel bei der Geburt, Harnwegsinfekten, Mittelohrentzündungen, Magen-Darm-Erkrankungen, Bronchitis, Asthma, Fieber, die Gabe bestimmter Antibiotika.
Es gibt aber auch Anzeichen auf genetische und epigenetische Einflüsse.
Bin ich verantwortlich für die Kreidezähne meines Kindes?
Viele Eltern sind verunsichert, wenn sie die Diagnose MIH erhalten. Sie fragen sich, ob sie die MIH hätten vermeiden können. Da über die Ursachen der MIH noch immer spekuliert wird und die Forschung bisher keine eindeutige Ursache gefunden hat, tragen Sie als Eltern keine Schuld an der Erkrankung. Da die MIH vor dem Durchbruch der Zähne im Knochen entsteht, scheiden schlechte Mundhygiene und zuckerhaltige Ernährung aus.
Kann mein Kind seine Kreidezähne alleine putzen?
Davon kann man zumindest in den ersten Jahren nach dem Zahndurchbruch nur dringend abraten. Kreidezähne benötigen besondere Aufmerksamkeit von Ihnen als Eltern. Die betroffenen Zähne brechen im Alter von ca. sechs bis acht Jahren in die Mundhöhle durch. Am häufigsten und in der Regel auch am stärksten betroffen sind die sogenannten 6-Jahr-Molaren, also die ersten bleibenden Backenzähne hinter dem letzten Milchzahn.
Kinder in diesem Alter sind in aller Regel noch nicht in der Lage die Reinigung der Zähne alleine durchzuführen. Die Backenzähne werden oft nicht gründlich genug gebürstet. Zudem sind Kreidezähne häufig sehr empfindlich insbesondere auf Kältereize, so daß die Kinder das Putzen dieser Zähne oft als sehr unangenehm empfinden und deshalb vermeiden.
Werden Kreidezähne jedoch nicht ausreichend gereinigt, dann entsteht an dem weichen Schmelz häufig sehr schnell Karies.
Mein Kind hat Schmerzen an den Kreidezähnen, was kann man dagegen machen?
Eine pauschale Antwort ist hier nicht möglich, dies ist von Patient zu Patient unterschiedlich. Die Schmerzen an den Kreidezähnen können je nach Ausprägung für die Kinder sehr belastend sein. Manche Kinder haben gar keine Beschwerden, bei anderen ist es so schlimm, daß die Eltern die Zahncreme zum Putzen vorwärmen müssen oder daß die Kinder das Kauen mit den betroffenen Zähnen gänzlich vermeiden.
Bei intakter Zahnoberfläche können zunächst spezielle Zahnpasten hier Abhilfe schaffen, wenn sie regelmäßig aufgetragen werden. Sollte dies keine Linderung bringen, dann können die Zähne auch mit dafür geeigneten Zementen oder Versiegelungskunststoffen abgedeckt werden.
Häufig brechen an Kreidezähnen jedoch alleine durch den Kaudruck Stücke ab, so daß Defekte im Zahn entstehen. Diese müssen dann gefüllt oder bei sehr starker Ausdehnung mit speziellen Metallkappen versorgt werden.
Mein Kind hat Flecken auf den Schneidezähnen - was kann man machen?
MIH an den Schneidezähnen ist in der Regel deutlich milder ausgeprägt als an den Backenzähnen, betrifft aber in der Regel die Vorderseite des Zahnes.
Solange die Schmelzoberfläche intakt ist, handelt es sich nicht um ein medizinisches Problem, es ist keine Behandlung erforderlich.
Oftmals empfinden die Patienten die Flecken erst im Teenageralter als optisch störend, die meisten stört es aber gar nicht. Falls ein Leidensdruck besteht, kann man versuchen, die Flecken durch ein Verfahren, das sich Infiltration nennt, optisch zu maskieren. Dies ist die minimalinvasivste Möglichkeit, aber nicht in jedem Fall erfolgreich. Füllungen sehen wir in unserer Praxis eher kritisch, da dafür nicht unerhebliche Mengen an gesunder Zahnsubstanz entfernt werden müssen.
Was ist bei einer Behandlung von Kreidezähnen zu beachten?
Durch den fehlenden gesunden Schmelz ist der Nerv eines Kreidezahns besonders schlecht gegen Reize wie heiß oder kalt isoliert und daher latent entzündet. Oft haben Kinder daher während der Behandlung von Kreidezähnen trotz örtlicher Betäubung noch Schmerzen am Zahn. Insbesondere für kleinere Kinder kann dies ein sehr traumatisierendes Zahnarzterlebnis sein. Daher ist es in manchen Fällen sinnvoll, den Zahn zunächst provisorisch zu versorgen, damit der Nerv sich erholen kann. Wir haben bei Kreidezähnen zudem gute Erfahrung mit der unterstützenden Wirkung von Lachgas und zusätzlicher Schmerzmittelgabe vor der Behandlung gemacht.